|
Rubrik: Science, Technology & the War on Terrorism
Kurzbericht zur Impfpolitik der US-amerikanischen Bundesregierung
Pockenimpfungen bald wieder im Einsatz?
Als nächsten Schritt im Kampf gegen den Bio-Terrorismus und potentielle Biowaffenangriffe plant die US-amerikanische Regierung eine landesweite Impfkampagne. Das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), ein aus Gesundheitsexperten und Vertretern der zuständigen Ministerien bestehender Rat, empfahl der Bunderegierung als ersten Schritt die Impfung von rund 500.000 Personen im öffentlichen Gesundheitsbereich.
Nach der Empfehlung des Ausschusses sollen Krankenhäuser, die eine Isolierkammer besitzen, ein für den Notfall zum Einsatz bereitstehendes Team auswählen, dessen Mitglieder jedenfalls die Pockenimpfung bekommen sollen. Dem wesentlich weitergehenden Vorschlag des Department of Health and Human Services , bis zu 10 Millionen sogenannte first-responders zu impfen und die Pockenimpfung schließlich der gesamten Bevölkerung zu ermöglichen, folgte der ACIP jedoch nicht.
Im Juni empfahl das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) erstmal die Impfung von rund 20.000 Notpersonal. Seitdem hat die Diskussion vor allem wegen der umstrittenen Risikofaktoren der Impfung - viel Wirbel verursacht.
Die Pockenkrankheit wurde 1978 erfolgreich ausgerottet, sodass es seither die diese Infektionskrankheit auslösenden Variola Viren nur mehr in ausgewählten Labors gibt. Pockenimpfungen zählen zu den gefährlichsten Impfungen, die in Einzelfällen zu schweren Nebeneffekten führen kann: die Impfung kann Schwellungen, Fieber, Gehirnschwellung und sogar den Tod verursachen. Auch eine Infektion Dritter durch frisch geimpfte Personen ist nicht auszuschließen. Eine große Gruppe innerhalb der amerikanischen Bevölkerung (bis zu 17%), nämlich Personen, die an Hautkrankheiten leiden, Schwangere, Chemotherapiepatienten und Personen, die mit dem Aids-Virus infiziert sind, laufen besondere Gefahr an Nebeneffekten zu erkranken.
Nachdem die Gesundheitsbehörden nach den Milzbrandanschlägen harte Kritik wegen unzureichender Informationspolitik und des Fehlens einer systematischen Krisenbekämpfung einstecken mussten, wird den Krankenhäusern in Zukunft ein landesweites Netzwerk von Experten zur Seite stehen, um Komplikationen bei den Impfungen zu behandeln. H. Zanpure-Sattler

Neue nationale Strategie zur US-amerikanischen Cybersecurity
Cyberspace ist gewissermaßen eine der letzten Bastionen fast uneingeschränkter Freiheit. Die schier überwältigende Menge an Information und Daten, die stetig wachsende Anzahl an Internetbenutzern, die Komplexität und gleichzeitige Verwundbarkeit der vernetzten Systeme und natürlich unsere zunehmende Abhängigkeit vom Internet machen jedoch Schritte zur Verbesserung des Schutzes von EDV Systemen, die für die nationale Sicherheit essentiell sind, notwendig.
Am Anfang des Jahres betonte Präsident Bush die Notwendigkeit einer solchen nationalen Strategie, um vor allem gegen die Gefahr des Cyber-Terrorismus gewappnet zu sein. Der Sonderberater des Präsidenten für Cybersecurity, Richard Clarke, hat nun einen nationalen Plan zum Thema präsentiert, in dem an Regierungvertreter, Vertreter der Industrie, Internet Service Providers (ISPs) und individuelle Internetbenutzer appelliert wird, durch Wachsamkeit und aktive Teilnahme zur Sicherheit der Kommunikationsinfrastruktur beizutragen. Der Berichtsentwurf, The National Strategy to Secure Cyberspace, der ursprünglich am 18.9.2002 der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte, wurde, nachdem es Kritik von allen Seiten gehagelt hat, 60 Tage aufs Eis gelegt. Während dieser Zeit können Kommentare und Vorschläge zum Entwurf eingebracht werden.
Gegner kritisieren die mangelnde Reichweite des Plans und bemängeln darüber hinaus das Fehlen von konkreten Umsetzungsmaßnahmen. Lobende Stimmen kommen vor allem aus dem Republikanischen Lager, zum Beispiel vom Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses des Repräsentantenhauses, Sherwood Boehlert, der es dem Präsidenten hoch anrechnet, das brennende, hochaktuelle aber genau so sensible Thema bei den Hörnern gepackt zu haben und die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht zu haben. Inzwischen hat der Senat den von Boehlert initiierten und vom Repräsentantenhaus in Februar angenommenen Cyber Security Research and Development Bill (H.R. 3394) abgesegnet. Zwei wichtige Fronten, die den Cyberspace sicherer machen sollten, nämlich Forschung und Ausbildung, werden durch dieses Gesetz abgedeckt. Die Verantwortung für die Umsetzung der Gestzesbestimmungen wird von der National Science Foundation (NSF) und dem National Institute of Standards and Technology (NIST) durch verschiedene Programme getragen über die nächsten fünf Jahre werden ihnen dafür US$ 903 Millionen zur Verfügung gestellt. H. Zanpure-Sattler
Kurz gemeldet
War on Terrorism und Visa Policy
Das US Department of State hat als verspätete Reaktion auf die Ereignisse des 9.11.2001 strengere Visavorschriften geschaffen. Als Folge davon müssen ausländiche WissenschaftlerInnen und ForscherInnen, die in die USA einreisen wollen, mit intensiven Kontrollen und langen Wartezeiten rechnen. Besonders betroffen davon sind ForscherInnen und WissenschaftlerInnen aus der ehemaligen Soviet Union und China, die im Bereich non-proliferation und anderen, sensiblen Forschungsbereichen tätig sind.
Die finanziellen Verluste durch verschobene oder versetzte Termine halten sich zwar noch in Grenzen, aber gerade zu einer Zeit, in der amerikanische Organisationen auf eine verstärkte Kooperation mit Experten und WissenschaftlerInnen aus diesen Ländern beim Kampf gegen den Terrorismus hoffen, kommt die neue policy ungelegen. H. Zanpure-Sattler
Publikationen
Bericht zum Thema Homeland Security
Der Bericht mit dem Untertitel New Department Could Improve Coordination but Transferring Control of Certain Public Health Programs Raises Concerns befasst sich mit der Debatte um die Eingliederung bestimmter Public Health Programs in das neue Department of Homeland Security (vgl. Bericht in Voices Juli/August 2002 über das neue Department).

|